Freitag
8. Juni 2007
Blog-Etiquette - Noch ein Versuch!?
"Zeit für eine Blog Etiquette?", fragt Spreeblick.

A Bloggers' Code of Ethics formuliert CyberJounalist.net.

Brauchen wir einen Knigge für blogs?

Ich sage: Ja!

Die Diskussion über eine Etiquette im Internet ist nicht neu. Warum entdecken dann Blogger die Frage nach Moral und Ethik, nach Etiquette im Internet eigentlich neu? Der RFC 1855 Netiquette Guidelines ist von 1995 und durchaus auf Blogs zu übertragen. Vielleicht weil Blogger eine neue Gruppe sind, die das Internet erst für sich entdeckt haben? Ich kenne jedenfalls die Netiquette aus Foren, Mailinglisten und Usenet. Die Frage kann ich zwar stellen, aber leider nicht beantworten.

Natürlich kann kein Blogger - außer er verstößt gegen Gesetze - gezwungen werden eine Blog-Etiquette einzuhalten. Aber eine Etiquette kann jedem Blogger helfen bessere Artikel und bessere Kommentare zu schreiben. So wie die Netiquette auch für Qualität gesorgt hat. Ein von Kommentatoren eingeforderter Standard hilft die Qualität der eigenen Seite zu verbessern. Hinweise wie "Dein Beitrag verstößt gegen die Blog-Etiquette" könnten Blogger helfen eine Diskussion in geordnete Bahnen zu lenken oder zu halten.

Die Netiquette von 1995 ist nicht vom Himmel gefallen und wurde auch heftig diskutiert. Einige ihrer Regeln sind auch nicht auf Blogs übertragbar. Deshalb versuche ich hier eine Umsetzung.

Das Institut für Chemie der FUB hat 1995 eine komprimierte Netiquette in Deutsch veröffentlicht und kommentiert. Empfehlenswert für jeden Blogger - insbesondere selbst oder anders ernannte A-Blogger und Journalisten, für die es auch einen lesenswerten Pressekodex gibt. (Entschuldigung, aber die Spitze musste sein.)

Mit der Netiquette von 1995 zur Betiquette von 2007?

Nun ich will den Versuch wagen, dies umzusetzen. Ein RFC ist mir dabei jedoch zu anspruchsvoll. Deshalb nur ein paar Regeln.

01. Vergiss niemals, dass dein Leser ein Mensch ist

Oder frei nach Kant: Blogge stets so, dass Dein Stil zu allgemeinen Norm erhoben werden könnte.

Dies ist meines Erachtens die wichtigste Regel, aus der sich alle anderen ergeben.

Behandle andere höflicher, als du von ihnen behandelt werden willst. Wer für sich selbst Menschenrechte fordert, sollte peinlichst darauf achten, dass er die der anderen wahrt.

Du kannst nur den Respekt glaubhaft für Dich einfordern, den Du anderen zollst.

Du magst Dich über eine Schreiber geärgert haben, Du magst ihn für blöd, dumm, bekloppt oder was auch immer halten. Er ist ein Mensch - und hat aus seiner Sicht sicherlich gute Gründe für seine Meinung und sein Handeln. Lass dich niemals zu einer Beleidigung hinreißen. Auch nicht in der beliebten Form des Streichens ("dieser saudumme schlechte Kommentar").

Es ist ein Unterschied den Anderen zu beleidigen oder ihm zu erklären, warum man sich über ihn geärgert hat.

Jeder hat ein Recht auf seine eigene andere Meinung. Er kann jedoch nicht erwarten, dass andere sie teilen.

02. Erst lesen, dann denken, dann erst bloggen

Nimm dir viel Zeit, wenn du einen Artikel oder Kommentar schreibst. Die Qualität deines Blogs und die Zahl der Besucher hängt von der Qualität deiner Artikel ab. Mach andere Blogs nicht mit schlechten Kommentaren kaputt. Nur wenn Dein Kommentar etwas taugt, kannst du erwarten, dass man Dein Blog mal anschaut.

Nochmals für Vergessliche: Lesen, denken, bloggen.

In der Netiquette steht erst lesen, dann denken, dann nochmal lesen, dann nochmal denken und dann erst posten! Eigentlich kannst Du nicht oft genug lesen und denken, aber irgendwann ist Redaktionsschluss.

BTW: Für Firefox gibt es eine Rechtschreibprüfung. Vielleicht auch für Winzig-Weich IE?

03. Deine Artikel und Kommentare sprechen für Dich

Lass sie nicht gegen Dich sprechen.

04. Denke an die Leserschaft!

Natürlich kannst Du für Dich alleine bloggen. Aber wozu dann der Aufwand? Dein Aufwand ist auch umsonst, wenn beim Leser nichts ankommt.

Wer liest Dein Blog? Wer soll es lesen? Und warum?

Vielleicht kennst Du deine Leser aus dem realen Leben. Dann werden sie manche Andeutung verstehen. Andere Leser werden dadurch allerdings ausgesperrt, was natürlich nicht schlecht sein muss. Aber sie kommen nicht wieder.

05. Dein letzter Beitrag steht ganz oben!

Es gibt keinen zweiten ersten Eindruck bei neuen Lesern.

06. Fasse Dich kurz!

Deine Leser wollen nicht gelangweilt werden. Komme auf den Punkt. Wenn der Artikel länger ist, dann muss er es für den Leser wert sein.

Ein Gedanke - ein Beitrag. Es ist zudem schwer lange Beiträge umfassend zu kommentieren. Die Leute schreiben lieber kurze Kommentare.

(Ich weiß, dieser Beitrag ist zu Lang. Aber eine Betiquette in 20 Artikeln?)

Für Kommentare gilt:

Die super-kurzen sind (meist) überflüssig. Natürlich freut sich jeder über "Ich stimme dir zu". Aber etwas mehr wird Dir doch wohl einfallen? Und wenn es nur ein Hinweis auf eine ähnliche Diskussion ist. Dein Kommentar sollte mindestens so gut wie der Artikel sein.

07. Vernachlässige nicht die Aufmachung Deines Artikels

Lerne ein wenig HTML, die meisten Blogs erlauben auch einfachen HTML-Code in den Kommentaren.

08. Achte auf die Überschrift

Wenn Du einen Beitrag verfasst, achte die Überschrift. Sie sollte in kurzen Worten (möglichst unter 40 Zeichen) den Inhalt des Artikels beschreiben, damit der Leser entscheiden kann, ob er von Interesse für ihn ist oder nicht.

09. Vorsicht mit Humor, Sarkasmus und dem eigenen Frust!

Humor und Sarkasmus werden nicht von jedem verstanden. Insbesondere bei Sarkasmus ist der Weg zur Beleidigung nicht lang. Nach dem ersten beleidigenden Wort kannst du fast jede sachliche Auseinandersetzung vergessen. Diese Diskussionen (Blog-Wars) schaden Deinem Ruf und Deinem Blog.

10. Verlinke, zitiere und kürze den Text, auf den Du Dich beziehst

Verlinke, verlinke, verlinke.

Aber: Zum Teil ist es hilfreich einen Text nicht nur zu verlinken, sondern die wesentliche Passage zu zitieren, insbesondere bei großen Artikeln. Dies hat nebenbei den Vorteil, dass Deine Leser erstmal auf Deiner Seite bleiben, Du ihnen aber das Suchen ersparst.

Halte Zitate so kurz wie zum Verständnis nötig, aber nicht kürzer. Du möchtest in deiner Aussage auch nicht von anderen verdreht werden. "Es gibt keinen Gott" steht in der Bibel - "Sagt der Narr" steht dahinter.

11. Beachte die gesetzlichen Regelungen!

Dies schont zumindest Deinen Geldbeutel. Wenn Du erwartest, dass andere Deine Rechte wahren, solltest Du ihre Rechte wahren. Du magst das Urheberrecht verteufel, aber wir leben in einer Demokratie und die Mehrheit ist noch anderer Meinung.

In einer Demokratie wird erwartet, dass die Minderheit die Entscheidung der Mehrheit erträgt (toleriert). Du erwartest es auch, wenn Du in der Mehrheit bist.

12. Fordere die Einhaltung der Etiquette

Dies kannst du natürlich nur, wenn Du Dich an sie hältst. Aber wer aktiv die Einhaltung fordert, auch wenn er selbst vielleicht nicht betroffen ist, kann Hilfe von anderen erwarten.

Dazu verweise ich auf das Gedicht von Martin-Niemöller.

-- Ende der Betiquette --

Was ich ausgelassen habe?

Benutze Deinen wirklichen Namen, kein Pseudonym

Diese Diskussion ist überholt oder ich habe mich für mich selbst zumindest was dieses Blog betrifft vorläufig dagegen entschieden - und viele andere auch. In anderen Blogs / Foren / Wikis etc trete ich auch mit wirklichem Namen auf.

Kommerzielles?

Da sollen sich andere drüber Gedanken machen. Der Kampf gegen die Kommerzialisierung des Internet ist sowieso schon verloren.

"Du" oder "Sie"?

Ist mir persönlich weder "Du" noch "Sie" beleidigen mich. Manches Artikel lebt vom "Du" andere sind vielleicht besser mit "Sie". Im Vergleich zu den anderen Regeln nicht der Rede wert.

Was ich vergessen habe?

Woher soll ich das wissen? Dann hätte ich es nicht vergessen. Aber dafür gibt Mit-Blogger und die Kommentare.

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Schon 01. stimmt nicht: Blogger sind keine Menschen. ;)

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